Rolf Wille
war mein Großonkel (Bruder meines Großvaters).
Er war sicher nicht ganz unbeteiligt an meiner Begeisterung für die Fliegerei. Oft klingelte es an der Tür, Rolf stand davor und es hieß nur "Es ist schönes Wetter - komm wir fliegen!"
Oft durfte sogar ich ans Steuer und die Maschine durch die Lüfte steuern. Man konnte ihn ansehen, wie stolz und glücklich ihn das machte. Viele schöne aber auch atemstockende Momente hatte ich mit ihm in seinem Flugzeug. Da kamen öfters mal solche Spielchen wie mitten in der Luft die Landeklappen auszufahren, den Motor auf Minimalleistung zu stellen, dann die Nase nach oben zu ziehen und einfach mal nahezu senkrecht in der Luft zu stehen. Obwohl doch ganz dick auf dem Instrumentenbrett stand "Kunstflug verboten".
Sein Flugzeug, eine Morane Rallye 125, war sein ganzer Stolz. Jede freie Minute verbrachte er mit und in seinem Flugzeug. Es sei denn, er hatte sich in seinen Bastelraum zurück gezogen, in dem er historische Flieger 1:1 nachbaute. Mit seinem Nachbau der Jatho schaffte er es sogar ins Fernsehen. Ein paar Mal durfte ich ihm dabei zuschauen und teils auch selbst Hand anlegen.
Voller Stolz präsentierte er mir seine Werke in unserem Technik Museum in Magdeburg.
Er war ein nicht ganz einfacher Mensch, so fragte er mich jedes Mal, wenn wir uns begegneten, was der Satz des Pytagoras aussagt und auch die Zahl Pi durfte ich nicht vergessen.
Er war ein sehr gebildeter Mann, hatte auf jede Frage ein Antwort. Auch wenn die Antworten dann meist ausschweifender kamen als man sie wollte.
Ein einfacher Mann war er, sein Auto war so alt wie sein Flugzeug, über 25 Jahre, hier und da notdürftig gepflickt, aber es fährt und fliegt. Das war das Wichtigste. Und wenn am besten Jacket ein Knopf fehlte, dann wurde halt das Knopfloch zugenäht anstatt sich um einen neuen Knopf zu kümmern.
Und wenn mal ein ganzer Eisbecher über ihn gefallen ist, dann war das kein Grund zur Sorge sondern nur ein weiterer Fleck im Jacket und kein Grund sein Waldmeistereis weiter zu essen, welches eigentlich Zitroneneis war.
Für diese teilweise auch etwas peinlichen Showeinlagen habe ich ihn geliebt. Er gab immer einen Grund zum Schmunzeln.
Ich bewundere ihn für seine Reisen, die er unternommen hat. So reiste er meist allein um die ganze Welt. Allein nach Afrika, allein nach Amerika, allein nach Australien - er war überall. Er hat viel von der Welt gesehen. Der Atlantik wurde mit der Queen Mary II überquert, zusammen mit seiner Eva, die er vor gar nicht all zu langer Zeit erst kennenlernte. Ich habe mich für ihn gefreut, dass er jemanden an seiner Seite gefunden hatte. Er war sein halbes Leben lang immer ein Einzelgänger. Sein halbes Leben allein, hatte er nun Angst auch im Alter allein zu sein. Um so mehr freute ich mich, dass er Eva traf. Eva hatte einen sehr positiven Einfluss auf ihn, plötzlich konnte er sich benehmen und wurde etwas ruhiger.
Es kam plötzlich und unerwartet, dass er am 26. April 2010 im Krankenhaus an Krebs verstorben ist.
Sein ganzes Leben lang war er immer topfit. Hat immer, auch noch mit 82 Jahren, die Überprüfungen der Flugtauglichkeit bestanden, ist jeden Morgen 3000 m gelaufen und war nie ernsthaft krank.
Niemand hätte geglaubt, dass er so plötzlich von uns geht. Jeder dachte er würde steinalt werden.
Ein kleiner Trost ist, dass er sein Leben gelebt hat, er hat beinahe die ganze Welt gesehen, konnte noch mit 82 Jahren mit seinem Flugzeug durch die Lüfte fliegen und war in seinen letzten Tagen nicht allein.
Ich werde ihn nie vergessen, er war ein Mensch, den man so schnell auch nicht vergessen kann. Er hat mein Leben ein Stück weit geprägt und was die Gesundheit und Fliegerei angeht, kann er nur als Vorbild dienen.
Ruhe in Frieden.
Rolfs Grabstelle auf dem Magdeburger Westfriedhof






